Beziehungen geraten nicht von heute auf morgen in Schieflage. Oft ist es ein schleichender Prozess. Und irgendwann entsteht die Frage, ob man auch die nächsten Jahre unglücklich in der Beziehung leben will – oder ob man einen Schlussstrich ziehen sollte.
Doch bevor du eine Entscheidung triffst, lohnt sich ein genauer Blick: Gibt es noch Verbundenheit? Gemeinsame Ziele? Den Willen, etwas zu verändern? Manchmal ist mehr da, als man auf den ersten Blick spürt – und manchmal weniger, als man glaubt.
Diese fünf Punkte helfen dir, das herauszufinden.
1. Ist noch Liebe da – oder nur noch Gewohnheit?
Das Herzstück jeder Beziehung: die Gefühle. Die echte, tiefe Zuneigung. Spürst du sie noch? Oder hält euch nur noch ein gemeinsames Konto, ein gemeinsames Sofa oder die Angst vor dem Alleinsein zusammen?
Liebe ist mehr als ein Gefühl, sie ist auch eine Entscheidung. Aber ohne Zuneigung, ohne den wirklichen Wunsch, mit dem anderen weiterzugehen, bleibt nur eine Zweckgemeinschaft.
👉 Frag dich:
- Fühle ich mich in meiner Beziehung grundsätzlich wohl – oder eher wie in einem Käfig mit schön gestrichenen Wänden?
- Vermisse ich meinen Partner, wenn er mehrere Tage nicht da ist – oder ist es fast eine Erleichterung?
- Freue ich mich auf gemeinsame Erlebnisse – oder fühlt sich alles an wie ein weiteres To-do auf der Liste?
Wenn noch echte Zuneigung da ist, auch wenn sie gerade unter Alltagsstaub verborgen liegt, dann lohnt es sich zu kämpfen. Wenn du aber tief in dir spürst, dass du dich innerlich schon verabschiedet hast, ist das ein Zeichen, das du nicht ignorieren solltest.
2. Wären die Probleme mit einem anderen Partner dieselben?
Oft glauben wir, dass unser Partner das Problem ist. Aber manchmal liegt das Problem nicht im Gegenüber – sondern in uns selbst. Denn wir alle tragen unsere Erfahrungen, Ängste und Prägungen mit in die Beziehung.
Viele Konflikte entstehen also gar nicht durch den anderen, sondern durch unsere eigenen Erwartungen, alte Verletzungen oder Kommunikationsmuster. Hier ein Beispiel: Vielleicht hast du in der Kindheit Streit als gefährlich erlebt. Deshalb sprichst du heute Probleme nicht an, um keinen Ärger zu riskieren. Doch wenn sich Wut und Enttäuschung anstauen, platzt es irgendwann heraus.
👉 Frag dich:
- Kommen mir diese Konflikte bekannt vor – vielleicht aus früheren Beziehungen?
- Reagiere ich wirklich auf das Verhalten meines Partners – oder auf eine alte Wunde in mir?
- Habe ich Erwartungen, die kein Mensch erfüllen kann?
Wenn du erkennst, dass sich bestimmte Muster wiederholen, kann das eine große Chance sein. Dann geht es nicht darum, den Partner zu wechseln, sondern das Muster zu durchbrechen – und vielleicht genau in dieser Beziehung daran zu wachsen.
3. Gibt es noch gemeinsame Werte und Ziele?
Liebe allein reicht nicht, wenn die Richtung nicht mehr stimmt. Wenn einer Kinder will und der andere nicht. Wenn einer in die Welt hinaus will und der andere fest verwurzelt ist. Dann hilft auch das stärkste Gefühl nicht weiter – zumindest nicht langfristig.
👉 Frag dich:
- Haben wir (noch) eine gemeinsame Vorstellung von der Zukunft?
- Stimmen unsere Grundwerte überein – z. B. Vertrauen, Ehrlichkeit, Freiheit, Verantwortung?
- Können wir in wichtigen Punkten Kompromisse finden, ohne uns selbst zu verlieren?
Es ist völlig okay, wenn nicht alles zu 100 % übereinstimmt. Aber bei den zentralen Fragen – wie Zusammenleben, Familie, Nähe, Lebensstil – solltet ihr ein gemeinsames Fundament haben. Sonst zieht ihr langfristig in entgegengesetzte Richtungen.
4. Gibt es noch Respekt und Wertschätzung?
Ohne gegenseitigen Respekt hat die Beziehung keine Zukunft. Auch wenn die Liebe noch da ist – wenn ein Partner den anderen nicht mehr wertschätzt, abwertend behandelt oder ignoriert, wird es schwierig.
Respekt zeigt sich nicht nur in großen Gesten, sondern in kleinen Momenten.
👉 Frag dich:
- Halten wir uns an unsere Versprechen, Vereinbarungen und Verpflichtungen – oder sagen wir oft Dinge zu, die wir gar nicht ernst meinen?
- Sind wir an der Meinung und den Gefühle des anderen wirklich interessiert – oder schalten wir schnell ab?
- Behandeln wir uns mit Wertschätzung – oder ist der Umgang oft abfällig, herablassend oder voller Kritik?
Wenn Respekt und Wertschätzung fehlen, ist es wichtig, das anzusprechen und zu klären. Wenn der andere dazu nicht bereit ist, kann eine Trennung der bessere Weg sein.
5. Sind beide bereit, an der Beziehung zu arbeiten?
Meistens ist auch der Partner unglücklich in der Beziehung. Doch diese zu retten, kann nur funktionieren, wenn beide es wollen. Wenn nur einer sich bemüht, während der andere nichts ändern will, wird es langfristig nicht funktionieren.
👉 Frag dich:
- Will mein Partner wirklich etwas verändern – oder redet er nur davon?
- Ist er bereit, sich mit Problemen auseinanderzusetzen – oder blockt er alles ab?
- Bin ich selbst noch bereit, mich zu öffnen, zu reflektieren und Zeit zu investieren?
Wenn beide sich ehrlich bemühen, gibt es fast immer einen Weg. Aber es braucht zwei – mit echtem Willen zur Veränderung.